Ethnographische Flucht- und Flüchtlingsforschung zu Kinder(er)leben

Der ethnographische Erkenntnisstil wird häufig als «Entdecken» beschrieben. So, wie der Ethnologe Clifford Geertz häufig zitiert wird, ist der Ausgangspunkt einer solchen Forschung die offene Frage: «What the hell is going on?»

Als Forscherin nehme ich teilnehmend beobachtend am Alltag der Kinder teil und lasse mich auf das ein, was mir “im Feld” im Austausch mit ihnen begegnet. Die Ergebnisse meiner Grundlagenarbeiten zielen darauf ab, Veränderungen in der Praxis anzustossen.

Grundlagenforschung

Warten auf Transfer - Kinder(er)leben im Nicht-Ort Camp

Asylunterkünfte werden in Studien als „ungeeignete“ und „schwerlich sichere“ Orte für Kinder beschrieben, zum Teil auch „kinderfeindlich“ genannt. Wie viele Kinder mit ihren Eltern in der Schweiz in Asylunterkünften untergebracht sind, ist nicht bekannt. Wie lange sie dort bleiben, wie häufig und warum sie die Camps wechseln, wird nicht dokumentiert. Wenn man die Kinder vor Ort fragt, wie es ihnen geht und was ihren Alltag bestimmt, berichten sie von einem Wartezustand in der Isolation, von Langeweile, von Sorgen um ihre Eltern, aber auch von ihren Träumen vom Leben danach.

In der ethnographischen Studie “Warten auf Transfer” wurden 44 Kinder aus 20 Familien während 365 Stunden zwischen 2019 und 2020 in einer kantonalen Asylunterkunft in ihrem Alltag begleitet. Das Buch “Warten auf Transfer” ist 2023 kostenfrei zugänglich online erschienen.

Praxisforschung

Empfehlungen für die Praxis

Auf Grundlage der Studie “Warten auf Transfer” wurden Empfehlungen für die Praxis erarbeitet, die dem Kanton X, in dem die Studie in einer Kollektivunterkunft durchgeführt wurde, vorgelegt. Darauf aufbauend wird derzeit eine Praxisforschung vorbereitet, die darauf abzielt, Empfehlungen für die Praxis auf Grundlage von Kinderrechten und Grundbedürfnissen von Kindern vorzulegen.

Machbarkeitsstudie

Nach dem Transfer

Kinder erfahren während ihres Asylverfahrens wiederholte Transfers. Sie wechseln der Ort ihrer Unterbringung, verlassen vertraute Orte, wechseln Schulen und bedauern, dass ihnen oftmals die Zeit fehlt, sich von Freund:innen und Lehrpersonen zu verabschieden. Wie entwickelt sich das Leben der Kinder vor dem Hintergrund diverser Transfer und was bedeuten die Brüche für ihre Entwicklung?

Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie zur Vorbereitung einer Folgestudie von “Warten auf Transfer”, die den weiteren Lebensverlauf der Kinder in den Blick nimmt. Finanziert wird die Machbarkeitsstudie “Nach dem Transfer” von der Berner Fachhochschule, Departement Soziale Arbeit.